Wer die Ochsentour aufmerksam verfolgte hat bemerkt, dass noch ein paar Plüschis übriggeblieben sein müssen. Dem ist auch so. Die Situation hatte es mancherorts einfach nicht ergeben. Hätten wir ein Plüschi hervorgeholt, wären alle auf einmal weg gewesen. Bei Einzelbegegnungen war dies möglich, in der Masse jedoch nicht. Herzen erfreuen ist unsere Aufgabe, nie aber Herzen zu brechen, weshalb wir häufig auf das Herschenken verzichten mussten.

Die übrigen Plüschis kommen im August noch einmal mit. Wir haben noch einige Stationen, die wir gezielt anfahren werden und dort finden sie ihren Platz. Versprochen!

Gefahrene Gesamtkilometer: 6.438

Über die Lage vor Ort und die vorgefundenen Bedingungen wurde hier bereits geschrieben: https://hilfstour.de/zwischenbericht, deshalb sparen wir uns Wiederholungen an dieser Stelle.

Es muss sich etwas ändern!

Das „Prinzip Gießkanne“ hat sich bewährt. Viel und schnell kann immer dort geholfen werden, wo die sprichwörtliche Kacke am Dampfen ist. Doch um mittel- und langfristig eine Hilfe zu installieren, sind andere Angebote notwendig.

Die vielen Kilometer und der ganze Stress lohnen sich auf absehbare Zeit nur dann, wenn den vor allem jungen Frauen eine sichere Umgebung zuteil wird, aus der sie mit Unterstützung von Sozialarbeiterinnen und lokalen NGO einen Weg aus Gewalt jedweder Form finden können.

Es fehlen Frauenhäuser!

Noch vor einem Jahr wäre dies ohne großartige Herausforderungen möglich gewesen. Seither hat sich die Situation immer weiter verschlechtert. Aufgrund höher werdender Auflagen sind die Kosten für ein Frauenhaus mit ca. 10 Plätzen von damals 50.000 € auf heute mindestens 250.000 € gestiegen. Hintergrund ist, dass die Gebäude keine Pachtobjekte mehr sein dürfen, sondern im Eigentum der Hilfsorganisation stehen sollten. Hinzu kommen Auflagen des Brandschutzes, der Sicherheit und diverse „Unerfüllbarkeiten“ für die für den Betrieb notwendigen Genehmigungen. Dieser Traum scheint somit (vorerst) geplatzt.

Wie es aber nun mal so ist:
Wer es nicht über den Zaun schafft, der buddelt sich darunter durch.

Es gibt eine einfache Zwischenlösung!

Wird eine Wohnung mit 4-6 Zimmern gemietet und vereinbart man mit dem privaten Vermieter eine Untervermietung an „Gäste“, ist die Aufnahme für Frauen in Not ohne weitere Auflagen möglich. Tatsächlich wird dadurch die Hürde verringert und an der Zusammenarbeit mit den Sozialdiensten der Gemeinde ändert sich gar nichts. Doch, eines ändert sich: Es gibt keine Beauflagungen, jede Verhandlung über die Weiterleitung der Betroffenen erfolgt auf Augenhöhe und ohne viel Bürokratie.

Eine Wohnung dieser Größenordnung kostet im von allen Regionen gut erreichbaren Herzen Rumäniens monatlich etwa 500 € zuzüglich rund 150 € für Strom, Gas und Wasserversorgung sowie Internet und Telefon. Die Wohnanlagen sind in aller Regel gesondert gesichert, so dass Fremde nur Zugang erhalten, wenn nach Rücksprache zugestimmt wird. Dem Faktor Sicherheit wäre somit auch Rechnung getragen.

Damit zu jeder Tages- und Nachtzeit jemand verfügbar ist, muss eine Vertrauensperson eingestellt werden, dessen Kosten gedeckt werden sollten. Ebenso müssen immer Lebensmittel und Kleidung vorrätig sein. Konkret bedeutet dies, es werden „nur“ 15.000 € pro Jahr benötigt, sicherlich zuzüglich eines Nothilfefonds für die Frauen, die mit nichts als ihren Kleidern am Leib vor der Tür stehen werden. Sie sollen jederzeit von uns ausgestattet werden können. Ebenso müssen bei der Erstaufnahme Kosmetik- und Hygieneprodukte vorhanden sein, auch Wechselwäsche und Bettzeug.

Da Wohnungen nahezu immer möbliert vermietet werden, besteht kein Bedarf an einer besonderen Ausstattung. Maximal eine Waschmaschine und ein Trockner müssten angeschafft werden (sofern nicht in der Miete enthalten). Mietverträge gelten i.d.R. für ein Jahr und werden stillschweigend verlängert. Es gäbe im Fall einer drohenden Unterfinanzierung stets den problemlosen Exit.

Die örtlichen Behörden, insbesondere aber die Polizei werden in das Sicherheits- und Überleitungskonzept einzubeziehen sein. Bisher rannten wir damit offene Türen ein. Vielleicht beteiligt sich der Kreis oder die Gemeinde irgendwann an den Kosten, das jedenfalls soll das mittelfristige Ziel sein. Würde dieses Konzept dann Früchte tragen, ist sogar der Aufbau weiterer Fluchtwohnungen denkbar.

Es gibt also Hoffnung. Ob wir das schaffen werden, das liegt in vielen Händen. Erreichbar erscheint es jedenfalls.

Für den dauerhaften Betrieb wird eine gemeinnützige Gesellschaft zu gründen sein. Anschließend ziehe ich mich raus.
-Ende-


Im August wird es nun wohl meine letzte Tour stattfinden. Kleiner und mehr oder weniger ganz privat. Vielleicht wird noch eine Weihnachtstour kommen, die dann jedoch schon abseits sozialer Medien.

Am liebsten sollte nun alle Kraft in die allererste Fluchtwohnung gesteckt werden.

Wir werden sehen…

Habt einen schönen Sommer!